Abbruch Brückenbauwerk Nordbahn Bad Oeynhausen (Bild: Wilhelm Becker, Minden)
Abbruch Brückenbauwerk Oberbecksener Straße Bad Oeynhausen
9. April 2018
Gewerbegebiet Emsdetten - Lageplan Detail
Erweiterung des Gewerbegebietes in Emsdetten
27. März 2018

Pipeline Engineering in Rühlermoor

Großer deutscher Erdölkonzern investiert ca. 12 Mio. Euro
Seit 35 Jahren wird im Feld Rühlermoor das zähflüssige Erdöl, das sich unter dichten Tonschichten in porösem Sandstein gesammelt hat, mit Wasserdampf fließfähiger gemacht, sodass es mit Pumpen aus mehr als 600 Metern Tiefe an die Oberfläche gefördert werden kann. Die Bewirtschaftung des Aquifer (Grundwasserleiter) Rühle Nord wird unter Zuführung von Wasserdampf seit den 80er Jahren oberhalb des initialen Lagerstättendruckes betrieben. Als Hauptziel soll mit der geplanten Maßnahme eine Umkehr der Volumenbilanz im Aquifer Rühle erzielt werden, um damit mittelfristig das Druckniveau im Aquifer zu reduzieren und langfristig eine Fortführung der Erdölproduktion im Bereich des Zentralfeldes Rühlermoor aufrechterhalten zu können. Gleichzeitig wird mit dieser Baumaßnahme das in der nahezu ausgeförderten Erdgaslagerstätte Adorf (Zechsteinlagerstätte) abgesenkte Druckniveau wieder dem ursprünglichen (initialen) Niveau angepasst.

Dazu ist geplant, Lagerstättenwasser vom Betriebsplatz Rühlermoor über ein bestehendes Feldleitungssystem bis zur Station Rühlermoor H4 zu transportieren und von dort über ein neu zu installierendes Manifold (Sammelstelle) sowie der neu zu bauenden Feldleitung zur Station Adorf Z7 zu transportieren. Das geplante Feldleitungssystem zum Transport von Lagerstättenwasser wird aus einer isolierten Feldleitung bestehen, die aus korrosionsbeständigen Materialien (Duplex-Stahl) hergestellt und mit einem Leckageerkennungs- und Leckageortungssystem ausgerüstet wird. Im Trassenverlauf werden zusätzliche Leerrohre und Signal/- Ortungskabel mit verlegt.

 

Projektplanung
Vorwiegend wurden 4 Ingenieure und 3 Technische Mitarbeiter der Abteilung Energy Services von LINDSCHULTE mit den Planungsarbeiten betraut. Die Festlegung des Trassenverlaufs erfolgte unter Berücksichtigung vorhandener Infrastrukturen und Bündelung von Leitungstrassen. Mit dem Landkreis Grafschaft Bentheim und dem Landkreis Emsland wurde für das geplante Bauvorhaben und den Trassenverlauf eine „Raumordnerische Abstimmung“ diskutiert und eine Vereinbarkeit mit den raumordnerischen Belangen erzielt. Parallel wurde eine Lageermittlung von vorhandenen Ver- und Entsorgungsleitungen durchgeführt. Weiterhin flossen die Hinweise und Auflagen der Fremdbetreiber in die Trassenführung mit ein. Der gesamte Trassenverlauf wurde durch die LINDSCHULTE-Vermessungsteams topographisch erfasst. Weitere parallel laufende Arbeiten waren die Recherche zur „Kampfmittelfreiheit“ und des „Denkmalschutzes“, Ermittlung von Schutzgebieten und deren Auflagen, Festlegung von Sondierungspunkten und Betreuung der Bodenuntersuchung sowie hierfür Einholung der Betretungsrechte. Nach der Trassenfestlegung führten wir die Eigentümer- und Wegerechtsverhandlungen durch und holten die notwendigen Zustimmungen und Genehmigungen ein.

 

Trassenverlauf
Startpunkt der Feldleitung ist die im Rühlermoor Feld befindliche Station RM H4. Die Leitung soll bis zu ihrem Endpunkt auf dem Betriebsplatz Adorf Z7 über eine Gesamtlänge von ca. 10.690 m untertage verlegt werden. Von der RM H4 verläuft die Feldleitung in südliche Richtung auf die vorhandene Reinölleitung Schoonebeck – Rühlermoor zu. Anschließend knickt die Feldleitung in Richtung niederländische Grenze ab. Der Süd-Nord-Kanal sowie die Schöninghsdorfer Straße werden mittels High-Directional Drilling (HDD-Bohrverfahren) gekreuzt. Der weitere Leitungsverlauf von Osten nach Westen orientiert sich am Rande von landwirtschaftlich genutzten Flächen, ebenso wie an Torfabbauflächen. Vor der niederländischen Grenze verläuft die neue Feldleitung für Lagerstättenwasser in Richtung Süden. Von dort läuft sie parallel zu einer vorhandenen Erdgas Münster-Leitung. In diesem Verlauf wird die L47 mittels Horizontal-Pressverfahren gekreuzt. Anschließend führt die Leitungstrasse parallel zur L46 in Richtung Süd-Westen. Nach ca. 2.000 m kreuzt die Leitungstrasse die L46 welche ebenfalls mit dem bereits genannten Horizontal-Pressverfahren unterquert wird.

Der weitere Verlauf orientiert sich an den Grenzen der Neuringer Wiesen, abseits der Bebauungen in Richtung Süd-Westen zur Bathorner Straße (K15). Diese wird ebenfalls gekreuzt, um anschließend parallel in Richtung Westen zur Adorf Z7 zu gelangen. Auf dem Betriebsplatz der Adorf Z7 endet die Feldleitung für den Transport von Lagerstättenwasser mit einem Manifold und einem Pumpencontainer. Über die neu zu errichtende Verbindung vom Pumpencontainer wird die neue Feldleitung in die vorhandene Feldleitung DN 80, PN 40 aus GFK (Glasfaserverstärkter Kunststoff) über die neu zu installierende Armatur eingebunden. Von dort aus gelangt das Lagerstättenwasser von der Adorf Z7 zur Adorf Z5.

 

Antrag auf Plangenehmigung
Beim Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) wurden die von LINDSCHULTE erstellten Dokumente, Kreuzungsanträge und Fachbeiträge für den Antrag auf Plangenehmigung für die Verlegung und den Betrieb der Feldleitung zum Transport von Lagerstättenwasser am 25. Mai 2016 zur Prüfung und Genehmigung vorgelegt. Dem Antrag auf Plangenehmigung gemäß §20 Abs. 2 Satz 1 und 3 des Gesetzes über die Umweltverträglichkeitsprüfung wurde am 13. Dezember 2016 zugestimmt und unser Auftraggeber erhielt die Zulassung zum Bau und Transport von Lagerstättenwasser von der Station Rühlermoor RM H4 zum Betriebsplatz Adorf Z7 inklusive Mitverlegung von Begleitkabeln.

 

Baustart
Die Bauausführung startete Ende Februar 2017 mit Einrichtung der Baustelle. Der Baubeginn wurde vom Auftraggeber am 23. Februar 2017 beim LBEG angezeigt. Die Feldleitung wird überwiegend im offenen Rohrgraben mit einer Mindestüberdeckung von 1,2 m verlegt. Das Ausfahren und die Verlegung der Leitung erfolgt in 400 bis 600 m langen Abschnitten. Inzwischen wurde der Mutterboden auf fast allen Abschnitten abgetragen. Es wurden Rohrlagerplätze und Schweißplätze eingerichtet und teilweise haben die vorbereitenden Arbeiten für die HDD-Verfahren begonnen. Es wird mit einer Bauzeit von 8 bis 10 Monaten gerechnet.



Das Projekt im Überblick
Erstellung des Antrages auf Plangenehmigung mit folgenden Leistungen:

  • Prüfung Raumordnungsverfahren (RoV)
  • Behörden-Engineering
  • Basic- und Detail-Engineering
  • Erstellung von Kreuzungsanträgen inkl. Lagepläne und Längsschnitte
  • Fachbeiträge Landschaftspflege/
  • Artenschutz, Bodenmanagement
  • Wasserrechtlicher Antrag (Antrag, Einleitgenehmigung, Erläuterungsbericht, Berechnung der GW-Haltung, Lagepläne)
  • Wegerechtsbeschaffung/Vertragsverhandlungen

Baubegleitendes Engineering:

  • Projektsteuerung
  • Behördentermine
  • Teilnahme an Besprechungen
  • Ergänzungen/Anpassungen von Antragsunterlagen gemäß Vorgaben des LBEG Umwelttechnische und ökologische Baubegleitung
  • Behördentermine
  • Begehung der Baustelle und Erstellung von Protokollen
  • Teilnahme an den Baubesprechungen und Erläuterung der umwelttechnischen Belange Wegerecht
  • Erstellung und Einholen von Verträgen für Lagerflächen
  • Erstellung und Einholen von Verträgen für die Sichtpfähle
  • Erstellung und Einholen der Gestattungsverträge

 

  • HDD nach Rohreinzug (Startgrube)
  • HDD-Bohranlage
  • Rohrstrang des HDD
  • Station Rühlermoor RM H4
  • Anschlusspunkt RM H4
  • Trassenverlauf landwirtschaftlicher Nutzflächen
  • Ausschnitt des Ausführungsplans
  • Rohrlagerfläche und Baumschutz
  • Schweißplatz mit Orbital Schweißcontainer
  • Übersichtsplan, Pipeline Engineering in Rühlermoor
  • Luftaufnahme-Pipeline-Engineering-in-Ruehlermoor