LDV Spelle: Gesamtentwässerungslageplan
Entwässerungs- und Verkehrsplanung für ein neues Landtechnik-Dienstleistungszentrum in Spelle
29. August 2017

Reinwasserkanal Bönen

LINDSCHULTE Münster wurde im März 2011 mit den Leistungsphasen 2-8, den fachtechnischen Berechnungen zur hydraulischen Dimensionierung sowie der örtlichen Bauüberwachung für den Bau eines rund 2,2 Kilometer langen „Reinwasserkanals“ in der Gemeinde Bönen beauftragt.

Der Reinwasserkanal ist Teil der Umsetzung eines Abwasserbeseitigungskonzeptes der Gemeinde. Durch die Maßnahme wird ermöglicht, ein derzeit in das Mischwassernetz einleitendes Gewässer zu entkoppeln und auf direktem Wege in den Vorfluter Seseke abzuleiten. Zudem ist vorgesehen, Teileinzugsgebiete zu entflechten und zukünftig das Niederschlagswasser dem Reinwasserkanal zuzuführen.

In der Genehmigungsplanung noch als eine Maßnahme zusammengefasst, splittet sich das Bauvorhaben in insgesamt 3 Bauabschnitte (BA). Der 1. BA wurde im September 2014 als offenes Grabenprofil fertiggestellt. Parallel dazu begann die Ausführung des 2. BA als Vortriebsmaßnahme DN 1800.

Geotechnisches Gutachten

In enger Abstimmung zwischen Bodengutachter und LINDSCHULTE wurde ein geotechnisches Gutachten erstellt, um einen genauen Überblick über die vorliegenden Baugrund- und Grundwasserverhältnisse zu erlangen. Des Weiteren wurde eine chemische Untersuchung von Schwarzdecken und Bodenproben sowie abfalltechnische Bewertung der Aushubmaterialien durchgeführt.
Im Bereich der geplanten Vortriebstrasse finden sich unter dem jeweiligen Straßenoberbau bis zu einer Tiefe von etwa 1,5 Metern überwiegend Auffüllungen und Schluff, schwach bis stark feinsandig. Darunter beginnt eine stark verwitterte Mergelschicht, die ab einer Tiefe von etwa 4,3 Metern in eine unverwitterte, teilweise klüftige Mergelsteinschicht übergeht. Durch den Rohrvortrieb wird der Mergelstein meist in unverwitterter Form, teilweise aber auch in unterschiedlichen Verwitterungsgraden angeschnitten. Der Rohrscheitel wird immer unterhalb des Grundwasserdruckspiegels liegen. Die Ortsbrust ist im Festgestein auch darunter als standsicher einzuschätzen. Gleichzeitig kann der Wasserandrang an einer ungestützten offenen Ortsbrust innerhalb des klüftigen Mergelsteins erfahrungsgemäß mit einer offenen Wasserhaltung beherrscht werden.

Fünf Baugruben notwendig 

Die Planung sieht insgesamt fünf Baugruben für die Vortriebsmaßnahme vor. Davon werden zwei Baugruben als Ziel-/Bergegruben, eine Doppelstart-/Pressbaugrube und zwei kombinierte Start-/Zielbaugruben erstellt. Der Verbau wird, beeinflusst durch die innerstädtische Lage und zahlreiche Versorgungsleitungen im Baugrubenbereich, in erschütterungsfreier Spritzbeton-Bauweise abgeteuft.

Die Tiefe der Baugruben liegt im Maximum bei ca. acht Metern. Vor dem Aushub sind Entspannungsbohrungen zur Entlastung des Grundwasserdruckspiegels durchzuführen. Die Form der Baugruben erstreckt sich von kreisrunden Zielbaugruben mit einer lichten Weite von rund 6,0 Metern bis hin zu elliptischen Doppelstartbaugruben mit einer lichten Weite von maximal 12 Metern. Da einige Baugruben im öffentlichen Verkehrsraum liegen, ist eine enge Abstimmung mit den Behörden notwendig, um Beeinträchtigungen der Bürger und der Gewerbetreibenden durch Sperrungen und Umleitungen gering zu halten.

Bemannter Rohrvortrieb

Aufgrund der genannten geotechnischen und hydrogeologischen Erkenntnisse und unter Berücksichtigung weiterer Randbedingungen (z.B. Wirtschaftlichkeit, vorhandene Infrastruktur, Einschränkungen des Verkehrs, Kampfmittelfreiheit) fiel die Wahl des Verfahrens auf einen bemannten Rohrvortrieb als offener Schildvortrieb mit teilflächigem Abbau ohne zusätzliche Stützung der Ortsbrust. Dieses Verfahren erlaubt die lagegenaue Rohrverlegung unter optimaler Anpassung an wechselnde Baugrundverhältnisse sowie eine meist problemlose Beseitigung etwaiger Hindernisse.

Der Abbau der Mergelschichten an der Ortsbrust erfolgt mit einer Schrämme. Das abgebaute Material wird mittels Förderband in eine Lore (Förderkübel) gebracht und durch den bereits vorgetriebenen Strang in die Baugrube gezogen. Von dort erfolgt der Abtransport des Materials.

Als Rohrmaterial wird ein Stahlbeton-Vortriebsrohr DN 1800 mit Stahlführungsring verwendet. Als Gleit- und Stützmittel wird eine Bentonitsuspension über Injektionsstutzen dauerhaft in den Ringraum gepresst. Die längste Haltung erstreckt sich über rund 415 Meter, die kürzeste über rund 70 Meter. Bei Haltungen mit über 100 Metern Länge werden Zwischenpress- oder Dehnerstationen in den Rohrstrang eingebaut.

Um Beschädigungen der Rohre durch zu hohe Anpressdrücke zu vermeiden und die Lage- und Zielgenauigkeit des Vortriebsstranges zu gewährleisten, findet eine kontinuierliche Aufzeichnung aller Vortriebsparameter statt. Die Ortsbrust wird zudem dauerhaft per Videoaufzeichnung überwacht.

Sieben Schachtbauwerke

Nach Abschluss des Vortriebs werden insgesamt sieben Schachtbauwerke erstellt, davon fünf in Ortbetonbauweise. Die verbleibenden beiden Schächte werden als Absenkschächte auf den Vortriebsstrang gesetzt und dienen in erster Linie als Kanalanschlusspunkte für Entflechtungsmaßnahmen, die im Rahmen der Maßnahme durchgeführt werden.

LINDSCHULTE Münster

ist neben der Planung und Ausschreibung der Gesamtmaßnahme mit der Bauoberleitung sowie der örtlichen Bauüberwachung beauftragt.

Daten und Fakten

  • Rohrquerschnitt: DN 1800
  • Gesamtvortriebsstrecke: 915 m, verteilt auf 5 Haltungen
  • Anzahl der Start-/Zielbaugruben: 5
  • Anzahl der Schachtbauwerke: 7 (5 Ortbeton- und 2 Absenkschächte)
  • Bauzeit: 09/2014 bis 08/2015
  • Baukosten 2.BA: rd. 2,9 Mio (brutto)

Ihr Ansprechpartner

Dipl.-Ing. Heinfried Drewer-Gutland

Geschäftsführer


  • Reinwasserkanal Bönen: Bergung Vortriebsmaschine
  • Reinwasserkanal Bönen: Hauptpressstation Startgrube
  • Reinwasserkanal Bönen: Zwischenpressstation/Dehnerstation