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LINDSCHULTE mit wegweisender Sanierungstechnik

Povel-Gelände (Bild: aw|sobott)

Povel-Gelände (Bild: aw|sobott)

Povel-Turm (Bild: Nordhörnchen/Wikipedia)

Povel-Turm (Bild: Nordhörnchen/Wikipedia)

Eigenes Computerprogramm für das Povel-Gelände:

In den 80er Jahren erhielt ein Nordhorner LINDSCHULTE-Projekt große Aufmerksamkeit. Das Povel-Fabrikgelände, einst ein Zentrum der florierenden Textilwirtschaft in der Grafschaft, sollte saniert und zum innerstädtischen Wohn- und Dienstleistungsquartier umgebaut werden.

Als 1979 die Ludwig Povel GmbH & Co. Konkurs anmeldete, entstand mitten in der Nordhorner Innenstadt eine riesige Brachfläche. Rund 18 Hektar maß das Gelände und war somit noch größer als die historische Altstadt auf der Vechteinsel. In zentraler Lage bot sich also ein attraktiver Standort mit viel Potenzial für eine positive Stadtentwicklung. Anfang der 80er Jahre kaufte die Stadt Nordhorn deshalb den überwiegenden Teil des Areals und ließ, bis auf wenige Ausnahmen wie den markanten Povelturm, alle Gebäude abreißen.

Herausforderung angenommen

Im Laufe der Abrissarbeiten wurde deutlich, dass das Gelände mit diversen Schadstoffen belastet war. Daraus erwuchs für die Planer des Ingenieurbüros List+Lindschulte eine große Aufgabe: Das chemisch belastete Gelände musste entgiftet werden, teilweise in sieben Metern Tiefe. Eine großflächige Absenkung des Grundwasserspiegels war nicht möglich, denn dieses Vorgehen hätte einerseits den finanziellen Rahmen gesprengt und andererseits die Strömungsverhältnisse im Grundwasser so verändert, dass die Schadstoffe auf verheerende Weise in den tiefer gelegenen Erdschichten verteilt worden wären. Stattdessen galt es, jeweils nur kleine Abschnitte trockenzulegen, um das belastete Erdreich fachgerecht auszubaggern und nach Schadstoffklassen zu sortieren. Hierfür entwickelten die Experten von List+Lindschulte ein Computerprogramm, das Veränderungen der Grundwasserverhältnisse punktgenau berechnen konnte.

Optimales Verfahren

So war es möglich, Absenkbrunnen optimal zu installieren und das Erdreich zu schützen. Gezielt eingesetzte, stählerne Spundwände verhinderten, dass Wasser aus der Vechte oder aus benachbarten Gebieten nachsickern konnte. Die gesamte Sanierung wurde durch die in Europa bis dahin einzigartige Computertechnologie erleichtert und zudem kostengünstiger. Auch das angewendete Sanierungsverfahren, das Flächenrecycling, stützte sich auf neueste wissenschaftliche Erkenntnisse und erlaubte es, den Boden direkt an Ort und Stelle zu analysieren. Entsprechend der Ergebnisse dieser Analysen wurden die unterschiedlich stark belasteten Böden fachgerecht gereinigt. Letztlich musste weniger als ein Prozent des Bodens auf eine Sondermülldeponie transportiert beziehungsweise verbrannt werden.

Prestigeträchtig

In vier Bauabschnitten entstand bis zur Mitte der 90er Jahre ein neuer Stadtteil mit Wohnraum für 750 Menschen sowie Büro- und Gewerbeflächen für 400 Arbeitsplätze – und ein stadtbauliches Prestige-Projekt. Die Umsetzung der Sanierung wurde auf einer UNO-Ausstellung zum „Best Practice Projekt“ gekürt, es folgten zahlreiche weitere nationale Auszeichnungen wie der Deutsche Städtepreis. Fachleute aus aller Welt bestaunten in den Medien und vor Ort die erfolgreiche Verwandlung des Fabrikgeländes in ein modernes Stadtquartier. Für LINDSCHULTE war dieses Projekt ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zu internationaler Anerkennung.