Zeichnung der Spannbetonbrücke für die Unterführung der Vechte
Unterführung der Vechte im Zuge der B 403
12. April 2018

Ersatzneubau Industriebahn-Brücke A57 Dormagen-Nievenheim

Die A57 ist eine vielbefahrene Autobahn von der niederländischen Grenze nach Köln.

Im Februar 2012 zerstörte ein Brand zwei Brückenbauwerke an der A57 bei Dormagen-Nievenheim. Die Polizei ging von Brandstiftung aus. Das Brückenbauwerk unterführte einen Wirtschaftsweg und das Anschlussgleis der Industriebahn Zons-Nievenheim der Häfen und Güterverkehr Köln AG (HGK). Das Industriegleis quert mit einem Winkel von ca. 28,7°. Durch den Brand entstanden so hohe Temperaturen, dass die Überbauten nicht mehr ausreichend tragfähig waren und abgerissen werden mussten. Der Abbruch erfolgte im Februar 2012.

Zur Aufrechterhaltung des Verkehrs wurden 2012 im Auftrag der Straßen.NRW-Autobahnniederlassung Krefeld zwei Stahlfachwerk-Hilfsbrücken („D-Brücken“) in der alten Lage der Überbauten eingebaut, um den Verkehr möglichst schnell wieder zum Laufen zu bringen.

Die D-Brücke ist eine transportable, aus vormontierten Einzelbaukomponenten zusammensetzbare, Not- oder Behelfsbrücke, die sogar im Dauerbetrieb eingesetzt wird. Diese Stahlfachwerkbrücke wurde 1959/60 von Krupp und MAN gemeinschaftlich entwickelt. Das „D“ steht für die Dreiecke in der Tragekonstruktion. In diesem Fall wurden sie komplett vormontiert und auf Rollenbahnen mit Hilfe eines Vorbauschnabels über Industriebahn und Wirtschaftsweg eingeschoben.

Nach dem Schadensereignis musste der Überbau voll gesperrt werden. Da die Ersatzneubauten in der gleichen Lage wie der Bestand hergestellt wurden, musste in einer vorbereitenden Maßnahme der Autobahndamm verbreitert und eine dritte Hilfsbrücke an der Ostseite eingebaut werden, um den Verkehr umleiten zu können. Die Lagerung der dritten Hilfsbrücke erfolgte auf Behelfsunterbauten aus Widerlagern als Fangedämme aus Trägerbohlverbauten mit Stahlbetonauflagerbalken und Stahlbetonhilfspfeilern. Die Ausführungsplanung dafür wurde durch die LINDSCHULTE Ingenieurgesellschaft aus Nordhorn erstellt.

Die Bauausführung gliederte sich in 3 Bauabschnitte.

1. Bauabschnitt:

  • Verbreiterung Straßendamm und Herstellung Behelfsunterbauten
  • Einbau dritte Hilfsbrücke östlich des Altbestandes
  • Umlegung Verkehr auf die beiden östlichen Behelfsbrücken

2. Bauabschnitt:

  • Ausbau westliche Hilfsbrücke
  • Herstellung Mittelverbauten und Abbruch alte Unterbauten
  • Herstellung Unterbauten und Überbau West

3. Bauabschnitt:

  • Umlegung Verkehr auf westlichen Überbau
  • Ausbau der beiden westlichen Hilfsbrücken
  • Abbruch östliche Bestands-Unterbauten und Behelfsunterbauten
  • Herstellung Unterbauten und Überbau Ost
  • Rückbau Dammverbreiterung

Im Jahr 2015 erhielt die Arge Industriebau Dormagen (ZÜBLIN Hoch- und Brückenbau GmbH + Dr. Fink-Stauf GmbH & Co. KG) den Auftrag für die Herstellung der Ersatzneubauten. ZÜBLIN beauftragte aufgrund der bereits zuvor immer guten Zusammenarbeit erneut die LINDSCHULTE+SCHULZE Ingenieurgesellschaft mbH aus Burgwedel bei Hannover mit der Ausführungsplanung für die Baubehelfe und die Ersatzneubauten.

Für den Ersatzneubau mussten zunächst umfangreiche Verbauarbeiten parallel zum Wirtschaftsweg und dem Industriegleis durchgeführt werden. Das Industriegleis wurde während der Baumaßnahme auf einem durchgeankerten Fangedamm geführt. Eine besondere Herausforderung stellte dabei die Berücksichtigung der alten Gründung und der alten Verbauten dar. Die Lage der Verbauten und Anker bzw. Aussteifungen musste an die Hindernisse im Baugrund angepasst werden.

Für den Teilabbruch der alten Gründung mussten Längsverbauten parallel zur Autobahn hergestellt werden. Aufgrund des stark grobkörnigen Materials im Autobahndamm konnte der geplante mehrfach verankerte Trägerbohlverbau nicht in allen Bereichen ausgeführt werden. In diesem Bereich wurde eine verankerte überschnitte Bohrpfahlwand geplant.

Im Anschluss wurden die neuen flach gegründeten Unterbauten für den westlichen Überbau hergestellt. Der neue Überbau musste wegen der geringen lichten Höhe über dem Industriegleis in überhöhter Lage hergestellt werden und wurde nach der Fertigstellung in Endlage abgesenkt.

Die Überbauten wurden als zweistegige längs vorgespannte Spannbetonüberbauten ausgeführt. Obwohl der westliche Überbau mit einer Gesamtlänge von 91,00 m fast 18,20 m länger war als der östliche Überbau wurden beide Überbauten dem extremen Kreuzungswinkel des querenden Gleises geschuldet als 4-Feld-Bauwerk ausgeführt.

Nach der Verkehrsumlegung auf den fertiggestellten westlichen Überbau wurden im Anschluss die Unterbauten und der Überbau auf der Westseite in analoger Bauart hergestellt. Als Besonderheit wurden die Überbauten jeweils als Großbetonage in einem einzigen Betonierabschnitt hergestellt.

Seit Februar 2017 nutzt der komplette Verkehr die fertig gestellte erste Brückenhälfte mit zwei eingeengten Fahrstreifen je Richtung. Die nicht mehr benötigten Behelfsbrücken wurden demontiert und wieder in das Brückenlager gebracht. Ebenfalls im Februar 2017 begann die Arge Industriebau mit dem Bau der zweiten Brückenhälfte. Ende März 2018 wurde der Verkehr in Richtung Krefeld wieder auf 2+2 Fahrstreifen umgelegt, bis Ende April wurden die Restarbeiten erledigt und die Baumaßnahme abgeschlossen.

Alle Referenzen
  • Ersatzneubau Industriebahn Dormagen - Hilfsbrücke (ZÜBLIN)
  • Fahrbahn Brücke Industriebahn Dormagen
  • Grossbetonage Überbau - in nur einem Betonierabschnitt (Brücke Industriebahn Dormagen)
  • Ansicht Industriegleis - A57 Ersatzneubau Industriebahn Dormagen
  • Ansicht Ost - A57 Ersatzneubau Industriebahn Dormagen
  • Ansicht West - A57 Ersatzneubau Industriebahn Dormagen
  • Ansicht Widerlager Nordost - A57 Ersatzneubau Industriebahn Dormagen
  • Ansicht Wirtschaftsweg A57 Ersatzneubau Industriebahn Dormagen
  • Detail Kappengesims West A57 Ersatzneubau Industriebahn Dormagen

Ihr Ansprechpartner

Dipl.-Ing. Stefan Dallügge

Geschäftsführer