Osnabrück Kanalbau: Luftbild vom Lageplan
Kanalbau in der Osnabrücker Innenstadt
7. Juni 2018
Bei der Sanierung der Mischwasserkanalisation in der Mitscherlichstraße in Wilhelmshaven kamen Flowtite GFK-Rohre und -Schächte mit profilierter Sohle im Drachenprofil zum Einsatz. Foto: Ambiblu (Amiantit Germany GmbH)/Michael Stephan
Kanalsanierung Mitscherlichstraße in Wilhelmshaven
30. Mai 2018
Erneuerung Nahwärme-Netz Hannover Airport

Rohrvortrieb im Mikrotunnelverfahren in Hannover-Langenhagen

Die Flughafen Hannover-Langenhagen GmbH entschied sich im Jahr 2012 für die Sanierung eines Teilstückes einer vorhandenen Nahwärmeleitung DN 250 auf dem Flughafengelände im Bereich der Bahnstrecke 1713 von Langenhagen zum Flughafen Hannover-Langenhagen.

LINDSCHULTE Nordhorn wurde mit der Ausarbeitung eines Sanierungskonzeptes beauftragt. Als Sanierungsmaßnahme wurde der Neubau einer Nahwärmeleitung aus einem Kunststoffummantelten Stahlrohr DN 250 auf einer Länge von rund 100 Metern in neuer Trasse vorgesehen. Hierbei war es erforderlich, die DB-Strecke 1713 bei Bahn-km 14,727 auf einer Länge von rund 22 Metern unterirdisch zu kreuzen. Die vorhandene Nahwärmeleitung DN 250 verblieb im Boden und wurde verfüllt und damit stillgelegt.

Der Flughafen Hannover betreibt zur Versorgung von Gebäuden auf dem Flughafengelände ein Nahwärmesystem. Ein Teilabschnitt dieses Nahwärmenetzes verläuft vom Kesselhaus des Flughafens zum Knotenpunkt am Parkhaus Ost an der Flughafenstraße. In diesem Leitungsverlauf wird die DB-Strecke 1713, die seit der Weltausstellung EXPO 2000 die S-Bahn-Anbindung des Flughafens darstellt, unmittelbar vor dem bestehenden Trogbauwerk zum unterirdischen Bahnhof in Nord-Süd-Richtung auf einer Länge von rund 22 Metern gekreuzt.

 

Zweifacher Rohrvortrieb

Altersbedingt wurde die vorhandene Nahwärmeleitung mit einem Außendurchmesser DA 400 mm unterhalb der Bahnstrecke stillgelegt und in neuer Trasse mit gleicher Abmessung neu hergestellt. Die neue Trasse wurde aus örtlichen Gegebenheiten heraus rund 30 Meter östlich des alten Verlaufs angeordnet. Da es sich bei der Nahwärmeversorgung um eine Vor- und Rücklaufleitung handelt, wurden die Leitungen unterhalb des Gleiskörpers parallel angeordnet. Als Schutzmaßnahme dienten zwei Stahlbetonrohre DN 600, die mit einem lichten Abstand von 2 Metern verlegt wurden. Der Einbau der Schutzrohre erfolgte in geschlossener Bauweise mittels Mikrotunnelverfahren.

 

Schwierige örtliche Verhältnisse

Die Trassenwahl war eine der ersten Herausforderungen dieser Projektbearbeitung. Aufgrund zahlreicher örtlicher Zwangspunkte war eine akribische Planung und intensive Abstimmung mit den fachlich Beteiligten und dem Bauherrn erforderlich. Örtliche Zwangspunkte mit Einfluss auf die Trassenwahl waren eine Vielzahl vorhandener Ver- und Entsorgungsleitungen, die in diesem Bereich ebenfalls die S-Bahn-Strecke kreuzen, ein Trogbauwerk, bahneigene Einbauten wie Oberleitungs- und Signalmasten, Kabelschächte sowie die vorhandene Verrohrung des ehemaligen Trentelgrabens nördlich der Bahnstrecke mit einem ca. 3 Meter breiten Maulprofil aus Beton und Mauerwerk. Außerdem musste bei der Trassierung die vorhandene Vegetation mit schützenswerten Bäumen berücksichtigt werden.


Anspruchsvoller Baugrund

Neben den örtlichen Verhältnissen stellte auch der heterogene Bodenaufbau eine ernstzunehmende Hürde dar. Da im Trassenbereich sowohl sandige als auch bindige Lockergesteine bis hin zum plastischen Ton anstehen, das Grundwasser bis zur Geländeoberkante anstauen kann und aufgrund der eiszeitlichen Geschiebe das Antreffen von Kiesen und Steinen auch größeren Durchmessers nicht auszuschließen ist, musste die Wahl des Vortriebsverfahrens sorgfältig getroffen werden. Hinzu kam, dass die vorhandenen Tone des Deckgebirges ein hohes Verklebungspotenzial aufweisen.


Mikrotunnelverfahren

Aufgrund der vorherrschenden örtlichen und baugrundlichen Verhältnisse fiel die Wahl für den Rohrvortrieb auf das steuerbare Mikrotunnelverfahren mit hydraulisch gestützter Ortsbrust, da eine Unterstützung anderer Verfahren wegen der stark gegliederten Schichtung des Baugrundes mit einer Grundwasserabsenkung technisch nicht sicher war.

Bei diesem Verfahren werden von einer Startbaugrube aus Vortriebsrohre mit Hilfe einer Pressstation bis in eine Zielbaugrube vorgetrieben. Gleichzeitig erfolgt die Verdrängung oder der vollflächige Abbau der Ortsbrust mit einer unbemannten, ferngesteuert arbeitenden Vortriebsmaschine. Das Bohrgut bzw. Bohrklein wird durch den vorgetriebenen Rohrstrang abgefördert. Eine Grundwasserabsenkung ist nicht erforderlich. Als Mantelrohr dienten beim Vortrieb 3 Meter lange Stahlbetonrohre DN 600 nach DIN EN 1916 mit einer Rohrwandstärke von rund 18,5 mm. Für das Durchführen des Produktrohres durch das Mantelrohr wurden Gleitkufen mit Schubsicherungsbändern verwendet. Somit konnten Beschädigungen des Dämmmantels der Fernwärmeleitung ausgeschlossen werden. Die Abdichtung des Schutzrohres zum Fernwärmerohr erfolgte auf der nördlichen Seite der Bahntrasse mittels einer Abdichtmanschette, die auch eine wärmebedingte Rohrdehnung zulässt.

Auf der südlichen Seite wurden zwei Entwässerungsschächte angeordnet. Der Verbau der Baugruben erfolgte mit wasserdichten Stahlspundwänden und einer Unterwasserbetonsohle.

 

Das LINDSCHULTE Kompetenz-Netzwerk

Die Planung „Rohrvortrieb DB-Strecke 1713“ konnte in Zusammenarbeit zwischen dem Stammhaus Nordhorn und dem Standort Hannover erfolgreich realisiert werden. Während man in Nordhorn für die Leistungsphasen 1–7 nach HOAI § 43 inklusive Ausarbeitung eines Antrages auf Zulassung einer neuen und Änderung einer vorhandenen Leitungskreuzung auf DB-Gelände nach der Gas- und Wasserkreuzungsrichtlinie Ril 877 verantwortlich zeichnete, wurde die Bauoberleitung und örtliche Bauüberwachung von den Kollegen aus Hannover übernommen. Eines von vielen Beispielen für die erfolgreiche Zusammenarbeit unserer Standorte und für die Wirksamkeit des LINDSCHULTE Kompetenz-Netzwerks.

Ihr Ansprechpartner

Dipl.-Ing. Marc-Christian Vrielink

Geschäftsführer


  • Start-Baugrube des parallelen Rohrvortriebs
  • Längsschnitt Rohrvortrieb Hannover
  • Lageplan Zu- und Abfahrten zur Start- und Zielbaugrube
  • DB-Strecke 1713 mit Trog-Bauwerk