Mit dem Neubau des Altenzentrums St. Jakob in der Sudetenstraße 24 in Marburg Richtsberg entstand eine moderne Pflegeeinrichtung, die Wohnen, Pflege und soziales Leben in einem klar gegliederten Haus zusammenführt. Das Gebäude bietet 84 Seniorinnen und Senioren ein neues Zuhause. Die Bewohnerinnen und Bewohner leben in 7 Wohngruppen mit jeweils 12 Personen, ergänzt um 8 Plätze für eingestreute Kurzzeitpflege.
Das Projekt zeigt, wie Pflegearchitektur mehr leisten kann als die reine Erfüllung funktionaler Anforderungen. Sie schafft Orientierung, unterstützt Sicherheit im Alltag und gibt Gemeinschaft einen räumlichen Rahmen. Das Haus wurde nicht als abgeschlossene Einrichtung gedacht, sondern als offener Baustein im Quartier. Begegnungszentrum, Café, Kulturtreff und weitere Angebote im Erdgeschoss stärken die Verbindung zwischen Pflegeeinrichtung, Angehörigen, Nachbarschaft und Stadtteil.
Der Neubau wurde in Massivbauweise und im KfW 55 Standard geplant. Fernwärme, Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung und Kühlung sowie eine gut gedämmte Gebäudehülle verbinden die Anforderungen eines Pflegebetriebs mit einem energieeffizienten Gebäudekonzept. So entstand ein robustes, langlebiges und wirtschaftlich betreibbares Haus mit hoher Aufenthaltsqualität.
Vom Rückbau zum neuen Pflegehaus
Die Errichtung des Altenzentrums begann nicht erst mit dem Neubau. Zunächst musste der Standort umfassend vorbereitet werden. An gleicher Stelle befand sich zuvor ein achtgeschossiger Baukörper des ursprünglichen Pflegeheims. Zusätzlich wurde ein in die Jahre gekommener Kindergarten zurückgebaut.
Diese Rückbaumaßnahmen waren ein eigenständiger und technisch anspruchsvoller Bestandteil des Projekts. Sie erforderten eine sorgfältige Rückbaustatik, die Klärung besonderer Rückbauspezialthemen und eine enge Abstimmung mit dem späteren Bauablauf. Erst nach der Freimachung des Grundstücks konnte das neue Altenzentrum als moderne Pflegeeinrichtung errichtet werden.
Damit verbindet das Projekt anspruchsvolle Rückbauplanung mit zeitgemäßer Pflegearchitektur, energieeffizienter Bauweise und einem Nutzungskonzept, das bewusst in das Quartier hineinwirkt.
Projektüberblick
| Auftraggeber | GeWoBau GmbH Marburg |
| Betreiber | Marburger Altenhilfe St. Jakob gGmbH |
| Projekt | Neubau Altenzentrum St. Jakob |
| Bauart | Neubau in Massivbauweise nach Rückbau des Bestands |
| Nutzung | Vollstationäre Pflegeeinrichtung für 84 Seniorinnen und Senioren in 7 Wohngruppen mit jeweils 12 Bewohnerinnen und Bewohnern, einschließlich 8 Plätzen für eingestreute Kurzzeitpflege |
| Standort | Sudetenstraße 24, Marburg Richtsberg |
| Nutzungsfläche | 5.100 m² NUF |
| Bruttogrundfläche | 6.078 m² BGF |
| Bruttorauminhalt | 22.435 m³ BRI |
| Energiestandard | KfW 55 |
| Energiekonzept | Fernwärme, Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung und Kühlung |
| Bauwerkskosten | 14.419.536 Euro |
| Leistungsphasen | 1 bis 8 |
| Planungszeit | 12/2018 bis 10/2019 |
| Bauzeit | 04/2020 bis 02/2022 |
| Besonderheit | Rückbau eines achtgeschossigen Bestandsbaukörpers des ursprünglichen Pflegeheims, Rückbau eines bestehenden Kindergartens mit anspruchsvoller Rückbaustatik und Spezialthemen des Abbruchs, Neubau einer quartiersbezogenen Pflegeeinrichtung mit 7 Wohngruppen, 84 Pflegeplätzen, 8 eingestreuten Kurzzeitpflegeplätzen, Café am Berg, Begegnungs und Beratungszentrum, Kulturtreff, barrierefreien Einzelzimmern, Bewohnerküchen, großzügiger Glasfassade am Eingangsbereich, energieeffizienter Massivbauweise im KfW 55 Standard und rollstuhlgerechten Außenanlagen. |
Unsere Leistungen
Lindschulte begleitete das Projekt als Generalplaner in den Leistungsphasen 1 bis 8.
Im Mittelpunkt stand die Entwicklung eines schlüssigen Gesamtkonzepts für eine moderne, energieeffiziente und quartiersbezogene Pflegeeinrichtung. Die Planung verband die Anforderungen der vollstationären Pflege mit einer klaren Gebäudestruktur, hoher Barrierefreiheit und einer wohnlichen Gestaltung.
Ein wesentlicher Bestandteil des Projekts war die Vorbereitung des Baufeldes. Vor der Errichtung des Neubaus mussten der achtgeschossige Bestandsbau des früheren Pflegeheims sowie ein bestehender Kindergarten zurückgebaut werden. Die Rückbaumaßnahmen umfassten anspruchsvolle Fragestellungen zur Rückbaustatik sowie weitere Spezialthemen des Abbruchs. Diese Leistungen waren eng mit der späteren Neubauplanung und dem Bauablauf zu koordinieren.
Besondere planerische Schwerpunkte waren anschließend die Gliederung in 7 Wohngruppen, die Anordnung der Bewohnerzimmer um zentrale Gemeinschaftsbereiche, die Gestaltung des Erdgeschosses mit Begegnungszentrum, Café und Kulturtreff sowie die Entwicklung eines gut auffindbaren Eingangsbereichs mit großzügiger Glasfassade.
Weitere Schwerpunkte lagen in der robusten Massivbauweise, der energetischen Gebäudehülle im KfW 55 Standard, der Koordination der technischen Gebäudeausrüstung und der barrierefreien Gestaltung von Innenräumen, Bädern, Zugängen und Außenanlagen.
Wohnen in überschaubaren Gemeinschaften
Das Altenzentrum ist in 7 Wohngruppen gegliedert. Diese Struktur schafft kleinere, gut erfassbare Einheiten innerhalb des Gesamtgebäudes. Die Bewohnerinnen und Bewohner leben in modern eingerichteten Einzelzimmern mit eigenem, behindertengerechtem Bad. Damit verbindet das Haus Privatsphäre mit dem Angebot gemeinschaftlicher Räume.
Die Zimmer sind um zentrale Gemeinschaftsbereiche mit Bewohnerküchen angeordnet. Hier finden Alltag, Mahlzeiten, Gespräche und gemeinsame Aktivitäten statt. Diese räumliche Nähe stärkt soziale Kontakte und unterstützt zugleich die Arbeitsabläufe des Pflegepersonals. Pflege, Betreuung und Wohnen werden nicht getrennt gedacht, sondern in einem alltagstauglichen Grundriss zusammengeführt.
Ein Haus für das Quartier
Eine besondere Qualität des Projekts liegt im Erdgeschoss. Hier öffnet sich das Altenzentrum zum Stadtteil. Der zentrale Eingangsbereich mit großzügiger Glasfassade ist hell, gut auffindbar und einladend. Er bildet die Adresse des Hauses und schafft einen klaren Übergang zwischen öffentlichem Raum, Quartiersangeboten und Pflegebereichen.
Das öffentliche Café am Berg mit Kiosk, das Begegnungs und Beratungszentrum sowie der Frisörsalon ergänzen die Pflegeeinrichtung um Angebote, die über den reinen Heimbetrieb hinausgehen. Dadurch entsteht ein Haus, das nicht nur für Bewohnerinnen und Bewohner, sondern auch für Angehörige und Menschen aus dem Umfeld Bedeutung hat.
Die Pflegeeinrichtung wird so Teil des Quartierslebens. Sie bietet geschützte Wohnbereiche, bleibt aber zugleich mit der Nachbarschaft verbunden.
Licht, Orientierung und Freiraum
Die Architektur arbeitet mit klaren Raumfolgen, hellen Gemeinschaftszonen und großzügigen Blickbeziehungen. Große Fenster bringen Tageslicht in Bewohnerzimmer, Aufenthaltsbereiche und Flure. Sitzecken und Gemeinschaftsflächen bieten Orte für Begegnung, Rückzug und Beobachtung des Alltags im Haus und im Freiraum.
Auch die Außenanlagen sind Teil des Pflegekonzepts. Rollstuhlgerechte Zugänge, Terrassen und begrünte Gartenbereiche erweitern das Haus nach außen. Sie schaffen Möglichkeiten zum Spazieren, Verweilen und zur Teilhabe am Umfeld. Für ältere und pflegebedürftige Menschen sind solche niedrigschwelligen Aufenthaltsorte ein wesentlicher Bestandteil von Lebensqualität.
Ruhige Gestaltung, robuste Konstruktion
Das äußere Erscheinungsbild wird durch helle Putzflächen, dunkle Fassadenakzente und präzise gesetzte Fensteröffnungen geprägt. Die Fassade mit Mineral Scheibenputz auf Wärmedämmverbundsystem unterstützt die energetische Qualität des Gebäudes und gibt dem Haus eine ruhige, zeitgemäße Anmutung.
Im Inneren verbindet die Gestaltung funktionale Anforderungen mit wohnlicher Atmosphäre. Die Räume sind auf Barrierefreiheit, Sicherheit, Reinigung, Pflegebetrieb und dauerhafte Nutzung ausgelegt. Gleichzeitig bleibt der Charakter eines Wohnortes erhalten. Die Architektur tritt nicht in den Vordergrund, sondern unterstützt das, worum es im Alltag geht: gutes Wohnen, verlässliche Pflege und Begegnung.
«Die Zusammenarbeit mit den beauftragten Fachplanern erfolgte sehr koordiniert und zielführend, um ein funktionales, ästhetisches und wirtschaftliches Gesamtergebnis zu erzielen.»
Impressionen
Kontakt
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