Mit dem Neubau der Vinothek des Weinguts Matthias Müller in Spay entstand ein architektonisch prägnanter Ort für Weinverkauf, Verkostung, Veranstaltungen sowie Produktions- und Lagerflächen. Das Projekt verbindet die Weiterentwicklung eines traditionellen Familienunternehmens mit einer zeitgemäßen, markenbildenden Architektur.
Die Vinothek liegt im UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal und wurde mit Fördermitteln aus dem LEADER-Programm umgesetzt. Damit besitzt das Projekt über die reine Bauaufgabe hinaus eine besondere regionale Strahlkraft: Als Leuchtturmprojekt stärkt es Weinbau, Tourismus und regionale Identität und zeigt, wie Architektur zur Zukunftsfähigkeit eines gewachsenen Familienbetriebs beitragen kann.
Das Konzept umfasste die Sanierung und Umstrukturierung des Bestandsgebäudes sowie den Neubau der Vinothek einschließlich Produktions- und Lagerhalle. Aus einem funktionalen Weingutsbetrieb wurde ein repräsentativer Ort, der Produktion, Verkauf, Verkostung und Veranstaltung in einem schlüssigen Gesamtkonzept zusammenführt.
Projektüberblick
| Auftraggeber | Weingut Matthias Müller, Spay |
| Bauart | Neubau mit Umbau und Sanierung des Bestands |
| Nutzung | Vinothek mit Verkauf von Weinprodukten, Probier- und Veranstaltungsräumen, Produktionshalle und Lagerhalle |
| Standort | Spay, UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal |
| Bruttogrundfläche | 720 m² |
| Bruttorauminhalt | 3.400 m³ |
| Bauwerkskosten | 1.450.000 € |
| Fertigstellung | Dezember 2011 |
| Leistungsphasen | 1 bis 9 |
| Förderung | Umsetzung mit Fördermitteln aus dem LEADER-Programm |
| Besonderheiten | Lage im Welterbe Mittelrheintal, Hochwassergebiet Rhein, aufgeständerte Konstruktion, 16 m langes Flaschenfenster, markenbildende Innenraumgestaltung |
| Vergabeform | Einzelvergabe |
Unsere Leistungen
Lindschulte begleitete das Projekt über die vollständigen Leistungsphasen 1 bis 9.
Im Mittelpunkt stand die Entwicklung eines schlüssigen Gesamtkonzepts für die Umstrukturierung des Weinguts. Ziel war es, die funktionalen Anforderungen eines laufenden Weinbaubetriebs mit einer hochwertigen, markenbildenden Architektur zu verbinden. Planung, Gestaltung und Innenraumkonzept wurden dabei konsequent aus dem Produkt heraus entwickelt: dem prämierten Wein als hochwertigem Kulturgut des Mittelrheins.
Besondere planerische Schwerpunkte waren die Einbindung des Neubaus in den historischen Ortskontext, die Planung im Hochwassergebiet des Rheins, die Aufständerung der Konstruktion mit Retentionsflächen, die Neuordnung von Verkauf, Verkostung, Veranstaltung, Produktion und Lagerung sowie die Entwicklung des 16 Meter langen Flaschenfensters.
Ein weiterer Schwerpunkt lag in der innenräumlichen Inszenierung der Weine. Mit individuell geplanten Einbaumöbeln, Glasvitrinen, hinterleuchteten Glasflächen, einem hochwertigen Beleuchtungskonzept und der Materialkombination aus Schiefer, Eiche und Gold entstand ein Ambiente, das die Qualität der Weine sichtbar macht und dem Weingut eine neue repräsentative Bühne gibt.
Die Umsetzung erfolgte in mehreren Bauabschnitten. Der Zeitplan wurde dabei auf Wunsch des Auftraggebers mehrfach angepasst, sodass der Betriebsablauf des Weinguts während der Baumaßnahme ungehindert fortgeführt werden konnte.
Wein als Preziose
Das Weingut Matthias Müller steht für hochwertige Weine aus den Steillagen des Mittelrheins. 2012 wurde das Weingut im Gault&Millau Weinguide als „Winzer des Jahres“ ausgezeichnet und erhielt darüber hinaus mehrfach „vier Trauben“. Diese besondere Wertigkeit der Weine wurde zum Ausgangspunkt der architektonischen Idee: Der Wein sollte nicht nur verkauft und verkostet, sondern angemessen inszeniert werden.
Die Weine entstehen in einer Kulturlandschaft, in der Steillagenweinbau mit Handarbeit, Erfahrung und Sorgfalt verbunden ist. Dieses hochwertige Produkt wird in der Vinothek wie eine Preziose präsentiert – nicht als Massenware, sondern als kostbares Einzelstück.
Das 16 Meter lange „Flaschenfenster“, hinterleuchtete Glaswände, Glasvitrinen, individuell geplante Einbaumöbel und ein effektvolles Beleuchtungskonzept schaffen eine Atmosphäre, die an die Präsentation wertvoller Objekte erinnert. Die Architektur rahmt den Wein, steigert seine Wahrnehmung und macht die Qualität des Produkts räumlich erfahrbar.
Materialien wie Schiefer, Eiche, Glas und Gold übersetzen Herkunft, Mineralität, Handwerk und Wertigkeit in ein durchgängiges Innenraumkonzept. So wird die Vinothek selbst Teil der Markenkommunikation des Weinguts: Sie vermittelt Qualität, bevor der erste Wein probiert wird.
Moderne Formensprache im historischen Kontext
Die Vinothek steht in unmittelbarer Nachbarschaft zu traditionellen Fachwerkgebäuden. Statt die historische Umgebung zu kopieren, übersetzt der Neubau deren Merkmale in eine moderne architektonische Sprache. Materialität und Farbgebung nehmen Bezug auf den Bestand und entwickeln daraus ein eigenständiges, zeitgemäßes Erscheinungsbild.
Die Fassade kombiniert helle Putzflächen, Schieferverkleidung und eine Pfosten-Riegel-Fassade mit teilweise farbigen Glaselementen. Das prägende Flaschenfenster verbindet Lagerung, Präsentation und Fassade zu einem architektonischen Motiv. Die Weinflasche wird damit selbst zum Gestaltungselement und macht bereits von außen sichtbar, wofür das Gebäude steht: Qualität, Handwerk und Weinbaukultur.
Bauen im Hochwassergebiet
Eine besondere planerische Herausforderung war die Lage des Grundstücks im Hochwassergebiet des Rheins. Der Neubau der Produktionshalle und der Vinothek wurde daher aufgeständert; ergänzend wurden Retentionsflächen geschaffen. Die Stellplätze befinden sich unterhalb des Gebäudes.
Um die Bauhöhe der Produktionshalle in das Ortsbild einzubinden, wurde der Vinotheksbaukörper Richtung Dorfplatz und Dorfstraße vorgelagert. Dadurch entsteht eine bessere Maßstäblichkeit im gewachsenen Ortsgefüge und eine klare, repräsentative Adresse für Besucherinnen und Besucher. Die Architektur löst damit nicht nur funktionale Anforderungen, sondern stärkt zugleich die Präsenz des Weinguts im Ort.
Impressionen
Kontakt
Wenn Sie Fragen zu diesem Projekt haben, stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.